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1.September 2025: 100 Jahre Busverbindung Oestereiden – Lippstadt

So sah der Bus mit Anhänger aus, der bis zum Ende der 50er Jahre zwischen Oestereiden und Lippstadt verkehrte.

Vor 100 Jahren, am 1. September 1925 startete die Buslinie zwischen Lippstadt und Oestereiden. Für die gesamte Region im nördlichen Teil der heutigen Stadt Rüthen war dies ein enormer Fortschritt.

Wie kam man bis dahin nach Lippstadt?

  • Möglich war die Fahrt mit einem privaten Pferdewagen. Doch diese Möglichkeit hatte nicht jeder!
  • Autos gab es noch nicht.
  • Die alternative Fahrt mit der Bahn bis Anröchte und dann 9 km Fußweg war nicht gerade attraktiv.

Aus diesem Grunde war es nicht möglich, z.B. eine weiterführende Schule in Lippstadt zu besuchen oder eine industrielle Arbeitsstelle in der Stadt anzunehmen. Für begabte Kinder war nur der Besuch eines Internates (z.B. in Büren) möglich, eine Möglichkeit, die aus finanziellen Gründen nur reichen Bewohnern möglich war.

Arbeitsplätze gab es nur in der Landwirtschaft, häufig als Tagelöhner und ganz vereinzelt im Handwerk.

Forderungen nach Einrichtung einer Buslinie in diesem Bereich gab es schon seit dem Ende des 1. Weltkrieges. So planten die Gebrüder Altstädt aus Hoinkhausen bzw. Westereiden 1921 die Einrichtung einer privaten Buslinie zwischen Rüthen und Lippstadt, ein Projekt, das jedoch nicht umgesetzt werden konnte. Die Kernstadt Rüthen hatte immer den Vorteil, eine Bahnlinie zu besitzen, die eine Verbindung über Belecke nach Lippstadt ermöglichte.

Nach langen Diskussionen und Verhandlungen startete unter der Regie der Oberpostdirektion in Dortmund der Betrieb der Kraftpostlinie von Lippstadt über Bökenförde, Eikeloh , Westereiden nach Oestereiden.

Am 1.8. wurde bereits der Betrieb mit dem gelben Postbus von Lippstadt nach Rietberg aufgenommen, zeitgleich am 1.9. auch zwischen Lippstadt und Eickelborn.

Drei Fahrten wurden täglich in beiden Richtungen mit einem Bus mit 20 Sitzen angeboten.

Erstaunlich war, wie gut die neue Linie angenommen wurde: Im Monat September 1925 verkaufte die Post 1.900 Fahrkarten, bis Mitte November 5.000 Karten.

Die Einrichtung der Postbuslinie brachte noch weitere Vorteile: Die Briefe und Pakete wurden mit dem Bus nach Oestereiden befördert, was die Postzustellung in den Orten rund um Oestereiden beschleunigte. Bisher wurde die Post per Bahn nach Anröchte befördert und dort mit einem Pferdewagen nach Oestereiden geholt. An den Postbussen gab es bis in die 80er Jahren einen Briefkasten, was ebenfalls die Postzustellung für herausgehende Briefe beschleunigte.

Probleme kann man natürlich nicht wegwischen:

  • Gerade in der Anfangsphase der Buslinie kam es vor, dass besonders bei Abendfahrten nicht alle Fahrgäste einen Platz im 20 Plätze bietenden Bus erhielten. Das führte zu großen Problemen, weil regelmäßig einige Fahrgäste zurückbleiben mussten. Ab Mitte November wurde dann schon ein etwas größerer Bus eingesetzt.
  • Ein Problem, was auch heute noch gelegentlich Bahnreisende haben, war die fehlende Koordination zwischen Bahn- und Busfahrplan. Um 19.15 Uhr fuhr der Bus in Richtung Oestereiden ab, die Bahn aus Altenbeken/ Paderborn kam 10 Minuten später an. Aber auch hier reagierte die Post relativ schnell. Nach einigen Wochen wurde die Abfahrtszeit des letzten Busses nach hinten verlegt, so dass der Umstieg von der Bahn noch möglich war.
  • Rentabilitätsprobleme gab es schon früh: Die Auslastung in den Sommermonaten 1926 war um 50 % geringer im Vergleich zum Winter. Ebenso war die Auslastung an den Sonntagen zu gering. Hier wurden beispielsweise einige Fahrten an Sonntagen gestrichen, was dann wieder zu Protesten bei heimischen Wirten führte. Ausflügler aus Lippstadt waren eine Einnahmequelle für die heimischen Gastronomen.
  • Protest gab es sehr schnell aus Hoinkhausen und Nettelstädt wegen der fehlenden Anbindung an die neue Linie. Dieses Problem konnte sehr schnell gelöst werden. Der Gemeindeweg zwischen Oestereiden und Westereiden war in einem schlechten Zustand und für Busse kaum zu befahren. Deshalb wurde die Streckenführung nach 14 Tagen bereits geändert. Der Bus für jetzt von Eikeloh über Oestereiden und Hoinkhausen mit der Endstation Westereiden.
  • Anfang Dezember 1925 musste der Busbetrieb wegen Schneefall für 5 Tage eingestellt werden.
  • Vorgekommen ist es, dass in der Anfangsphase Buskunden beim Einsteigen im Lippstadt die Linien verwechselten. Man landete nicht in Oestereiden, sondern in Eickelborn. Hier wurden schnell Zusatzhinweise an den Haltestellen angebracht.

Später wurde die Buslinie bis nach Rüthen erweitert. Dies muss in den 30er Jahren geschehen sein. Das genaue Datum muss noch recherchiert werden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Busbetrieb ab dem 15.4.1946 auf der Strecke zwischen Oestereiden und Lippstadt wieder aufgenommen. Auf der Strecke von Oestereiden nach Rüthen startete eine regelmäßige Verbindung wieder ab dem 19.4.1948.

Hier gab es in der Anlaufphase viele Probleme. Die Busse waren in der Nachkriegszeit technisch in einem schlechten Zustand, was zu häufigen Ausfällen führte. Gleichzeitig war die Anzahl der Kunden stark angestiegen. Durch die vielen in den Orten wohnenden Flüchtlinge aus den Ostgebieten, Evakuierte aus dem Ruhrgebiet sowie durch hungernde Menschen aus dem Ruhrgebiet, die versuchten, Hamsterkäufe auf dem Land zu tätigen, wurde die Busstrecke stark frequentiert. Die Bevölkerungszahl in Oestereiden und Umgebung war um mehr als 40 % gestiegen.

In den 50er Jahren normalisierte sich der Busverkehr wieder.

Die Busverbindung erfreute sich in den folgenden Jahrzehnten einer steigenden Beliebtheit, bis ab den 60er Jahren wegen der steigenden Anzahl privater PKWs die Busfahrten wieder an Attraktivität verloren.

Ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern sich sicher noch an den Anhängerberieb der 50er Jahre. In Oestereiden waren 2 Anhänger stationiert, die bei den Fahrten morgens um 6 bzw. 7 Uhr an den Bus angehängt wurden. Abends bei den Fahrten gegen 17 und 19 Uhr wurden diese in Oestereiden wieder abgekoppelt.  Der in der Nachbarschaft lebende Mitfahrer Erich Jürgens machte sich damit verdient, die vor seinem Haus stehenden Anhänger in den Wintermonaten zu heizen. Nach Auskunft früherer Mitfahrer war das ein frustrierendes Unterfangen, denn nicht immer funktionierte die eingebaute Heizung.

Ab dem 1. Januar 1960 waren diese Anhängerfahrten aus Sicherheitsgründen verboten.

Zu Beginn der 80er Jahre stellte die Post ihren Busbetrieb ein. Die gelben Postbusse gehörten der Vergangenheit an. Die Bahn übernahm mit ihren roten Bussen den Betrieb.

Der Busverkehr wurde in dieser Phase stark ausgeweitet. An den Werktagen fährt die Linie R 62 im Stundentakt zwischen den Städten Rüthen und Lippstadt, ein enormer Fortschritt im Vergleich zur Zeit der Postbusse.  Die Hoffnung ist, dass dieser Zustand noch lange erhalten bleibt!

Quellen: Archiv der Tageszeitung Der Patriot; Archiv der Stadt Rüthen.

Zu dem Thema recherchiert und den Bericht ausgearbeitet hat der Vorsitzende der Heimatfreunde Oestereiden e.V. Georg Eickhoff. Vielen Dank dafür!!

 

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